Donnerstag, 19.04.2012
 
 
Holocaust-Gedenktag
 

In der heutigen Gedenkstätte Bergen-Belsen (Foto: A. Plesse)

Bei der Zeremonie zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen hat Botschafter Yakov Hadas-Handelsman eine Rede gehalten. In seiner Rede erklärte er:

"In den Nachmittagsstunden des 15. April 1945 betrat eine kleine Gruppe von Offizieren der 2. Britischen Armee das Lager Bergen-Belsen. Die Offiziere waren nicht vorbereitet auf den Anblick, der sie erwartete. Mit Entsetzen sahen sie die Schrecken des Lagers."

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(Bank Israel, 19.04.12)



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Wiesenthal Center veröffentlicht drei neue Namen von Naziverbrechern

Das Wiesenthal Center hat der Liste der zehn am meisten gesuchten Naziverbrecher drei neue Namen hinzugefügt.

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Dokumente aus der Zeit der Shoah

Die Botschaft erhält immer wieder persönliche Zeugnisse und Fotografien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust.  weiter
Die vergessene Partnerin von Janusz Korczak

Jeder kennt die Geschichte des berühmten Pädagogen Janusz Korczak, der die Kinder seines Waisenhauses beim Transport in ein Vernichtungslager begleitete, obwohl er wusste, dass dies wahrscheinlich auch seinen Tod bedeuten würde.

Weniger bekannt ist, dass Korczak während der Jahre, in denen er sein berühmtes Waisenhaus leitete, eine gleichberechtigte Partnerin an seiner Seite hatte.

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Holocaust-Gedenktag

Bei der Zeremonie zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen hat Botschafter Yakov Hadas-Handelsman eine Rede gehalten. In seiner Rede erklärte er:

"In den Nachmittagsstunden des 15. April 1945 betrat eine kleine Gruppe von Offizieren der 2. Britischen Armee das Lager Bergen-Belsen. Die Offiziere waren nicht vorbereitet auf den Anblick, der sie erwartete. Mit Entsetzen sahen sie die Schrecken des Lagers. Der Militärarzt Glyn Hughes schreibt:

´[K]ein Bericht und keine Fotografie kann diese grauenvollen Bilder außerhalb der Baracken wiedergeben, und die schrecklichen Szenen in den Baracken waren noch viel schlimmer. Überall im Lager befanden sich Leichenstapel verschiedener Höhe, einige außerhalb des Stacheldrahts, andere innerhalb zwischen den Baracken. […] In der Nähe des Krematoriums sah man Spuren von hastig gefüllten Massengräbern. Hinter dem letzten Lagerabteil befand sich eine offene Grube, halb mit Leichen gefüllt […]*. In der Frauenbaracke waren Typhuskranke. […] Es gab keine Pritschen, die zum Teil nackten Kranken lagen auf dem Boden. Die meisten von ihnen waren zu schwach, um sich zu bewegen.´

Wie groß das Entsetzen war, zeigt die Entscheidung, der Befreiung des Lagers eine Sonderausstellung im prächtigen Kriegsmuseum in London zu widmen, ohne dass die Befreiung Teil der eigentlichen Kriegshandlungen war. So werden dort neben den großen Schlachten des Britischen Empire auch die Schrecken von Bergen-Belsen dargestellt.


Hadas-Handelsman (Foto: Galit Hinon)

Die Anfänge des Lagers stellten für Juden in Europa 1943 sogar einen Hoffnungsschimmer dar. Bergen-Belsen wurde zunächst als "Aufenthaltslager" bezeichnet und einige glaubten, sie würden der Vernichtung entgehen und das Lager sei die Vorstufe auf ihrem Weg in die Freiheit.

Doch letztendlich wurden in diesem Konzentrationslager zehntausende Menschen ermordet,  die meisten davon unsere jüdischen Brüder und Schwestern. Die verschiedenen Tötungsformen, die sich die Nazis ausdachten, waren eine weitere Verkörperung des menschlichen Bösen.

Aus zwei Gründen sind wir heute hier. Zunächst, um jenen Zehntausenden, die hier ermordet wurden, unseren Respekt zu erweisen. Ein großer Teil von ihnen liegt in der Erde unter uns begraben, anonym und ohne jede Spur. Wir sind aber auch hier, um die Welt an die Schrecken zu erinnern, die sich hier vor weniger als 70 Jahren ereignet haben. Heute gibt es mehr und mehr Menschen, die sich von den Ereignissen lossagen wollen oder sie leugnen. Und es werden immer weniger, die diese Schrecken überlebt haben und aus eigenem Erleben davon erzählen können.

Wir, Mitarbeiter aus dem Verteidigungs- und dem Außenministerium, sind heute hier, weil wir der wichtigen Mission verpflichtet sind, dass das, was sich hier ereignet hat, niemals vergessen wird und sich niemals wiederholen darf."

(Botschaft des Staates Israel, 19.04.12)

* Übersetzung: Eberhard Kolb: Bergen-Belsen. Geschichte des »Aufenthaltslagers« 1943-1945, Hannover 1962; S. 52

Peres: Kein Mensch ist einem anderen überlegen

Präsident Shimon Peres erklärte bei der zentralen Gedenkfeier zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte Yad va-Shem unter anderem:

"Ich bin stolz, ein Erzfeind der Schlechtigkeit der Nazis zu sein. Ich bin stolz auf das Erbe unserer Väter, keiner Art von Rassismus Vorschub zu leisten. Ich bin stolz auf unseren Glauben, dass kein Mensch einem anderen überlegen ist. Es gibt keine überlegene Rasse, es gibt lediglich tiefe Wurzeln. Ich bin sicher, dazu werden wir unsere Kinder und Enkelkinder erziehen: So wie sie den Kaddish auf den Lippen tragen, tragen sie das ´Liebe deinen Nächsten wie dich selbst´ im Herzen. […]


Peres bei seiner Rede (Foto: Yad Vashem)

Die Stärke unserer Nation liegt in seiner Geschichte und den Seelen ihrer Söhne. Wir waren ein Fragezeichen, jetzt sind wir ein starkes Land. Heute hat die Menschheit keine andere Chance. Wir müssen aus dem Holocaust lernen und existentiellen Bedrohungen stark gegenüber treten."

Netanyahu: Noch lesen wir Aufrufe zum Judenmord in der Zeitung, nicht nur im Geschichtsbuch

Ministerpräsident Binyamin Netanyahu erklärte in seiner Rede:

"An diesem Tag, wenn unsere ganze Nation sich versammelt, um der Schrecken der Shoah und der sechs Millionen Juden zu gedenken, die ermordet wurden, müssen wir unsere heiligste Verpflichtung erfüllen. Diese Verpflichtung ist nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Sie ist gleichzeitig auch eine Verpflichtung, die Lehren aus ihr zu ziehen und, noch wichtiger, sie auf die Gegenwart anzuwenden, um die Zukunft unseres Volkes zu gewährleisten. […]


Netanyahu bei seiner Rede (Foto: Yad Vashem)

Dies gilt besonders für diese Generation – eine Generation, die einmal mehr mit Rufen zur Auslöschung des jüdischen Staates konfrontiert ist.

Ich hoffe, dass der Staat Israel eines Tages mit allen Ländern und Völkern in unserer Region in Frieden leben wird. Eines Tages werden wir, so hoffe ich, über diese Aufrufe, die Juden zu vernichten, nur in den Geschichtsbüchern lesen und nicht in der Zeitung. Doch dieser Tag ist noch nicht gekommen.

Heute ruft das iranische Regime offen zu unserer Vernichtung auf und arbeitet entschieden daran, das wahr werden zu lassen."

(Außenministerium des Staates Israel, 19.04.12)

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Wiesenthal Center veröffentlicht drei neue Namen von Naziverbrechern

Das Simon Wiesenthal Center hat am Mittwoch erklärt, es habe der Liste der zehn am meisten gesuchten Naziverbrecher drei neue Namen hinzugefügt. Einer der drei lebt in Ungarn, die beiden anderen in Kanada. Kanada sei dabei gescheitert, gesuchte Nationalsozialisten auf seinem Gebiet zur Rechenschaft zu ziehen, erklärte das Zentrum.

Die beiden Verdächtigen in Kanada sind Vladimir Katriuk, der der Kommandant einer ukrainischen Armeeeinheit gewesen sein soll, die Massenmorde in Weißrussland durchgeführt hat und Helmut Oberlander, mutmaßliches Mitglied der "Einsatzgruppen", die in der Südukraine zahlreiche Juden ermordeten.

Beide waren nach dem Krieg nach Kanada geflohen und hatten die kanadische Staatsbürgerschaft inne. Nach dem Bekanntwerden ihrer jeweiligen Verwicklung in den Nationalsozialismus wurde beiden die Staatsbürgerschaft in der Vergangenheit entzogen, jedoch später wieder zurückgegeben, Oberlander sogar mehrmals.

Auch der dritte Mann auf der Liste, Laszlo Csatary, war nach dem Krieg zunächst nach Kanada geflohen. Er soll 1944 in der ungarisch besetzten Slowakei für  die Deportation von 15.700 Juden in das Konzentrationslager Auschwitz verantwortlich gewesen sein. Auch ihm wurde 1997 die kanadische Staatsbürgerschaft aberkannt, er ist damals ausgereist und lebt seitdem in Ungarn.

Efraim Zuroff, Leiter des Zentrums in Israel, erklärte, in den letzten 11 Jahren seien etwa 90 nationalsozialistische Kriegsverbrecher verurteilt worden. "Auch wenn die vorherrschende Annahme ist, es sei zu spät, Naziverbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen, beweisen die Zahlen das Gegenteil", so Zuroff.

(Haaretz, 19.04.12)

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Dokumente aus der Zeit der Shoah
Die Botschaft erhält immer wieder persönliche Zeugnisse und Fotografien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust. Sollten auch Sie ähnliche Dokumente besitzen, können Sie diese gerne direkt an die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem senden. Alternativ leiten wir sie aber auch dorthin weiter.
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Die vergessene Partnerin von Janusz Korczak

Jeder kennt die Geschichte des berühmten Pädagogen Janusz Korczak, der die Kinder seines Waisenhauses beim Transport in ein Vernichtungslager begleitete, obwohl er wusste, dass dies wahrscheinlich auch seinen Tod bedeuten würde.

Weniger bekannt ist, dass Korczak während der Jahre, in denen er sein berühmtes Waisenhaus leitete, eine gleichberechtigte Partnerin an seiner Seite hatte, die völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Stefania "Stefa" Wilczyñska war es, die Korczak 1911 seine erste Anstellung in dem jüdischen Waisenhaus gab, das sie leitete. Beim Umzug des Hauses wurde Korczak Leiter, Wilczyñska seine Stellvertreterin und Hausmutter.


Wilczynska (Foto: Yad Vashem)

Zwanzig Jahre später verspürte sie den Wunsch nach Veränderung: In den Jahren 1931 und 1936 besuchte sie das britische Mandatsgebiet Palästina und und wanderte schließlich 1938 nach Ein Harod aus. Doch bereits ein Jahr später hatte sie genug vom Leben im Kibbuz und kehrte zurück nach Warschau zu "ihrem" Waisenhaus.

Auch als die Situation sich mit dem erzwungenen Umzug des Waisenhauses ins Ghetto im Oktober 1940 verschlechterte, blieb Wilczyñska bei den Kindern und Korczak. Ebenso wie er ging sie mit ihnen in den Tod.

(Haaretz, 19.04.12)

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