Newsletter der Israelischen Botschaft in Berlin

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Freitag, 15. Februar 2002

DREI SOLDATEN IM GAZASTREIFEN GETÖTET
BUNDESAUSSENMINISTER FISCHER IN ISRAEL
VATIKAN: MOSCHEE WÄRE "KREBS" IN DEN JÜDISCH-CHRISTLICHEN BEZIEHUNGEN
ÄGYPTEN REISST SCHUTZWAND VON RESIDENZ IN KAIRO EIN
INTERVIEW MIT SHARONS AUSSENPOLITISCHEM BERATER IM DLR
* DER BEINAHE-FRIEDEN VON TABA
* KULTUR: DAS THEATER CLIPA IN BERLIN
* GEFAEHRLICHE TOENE IM PALAESTINENSISCHEN FERNSEHEN

DREI SOLDATEN IM GAZASTREIFEN GETÖTET

Drei israelische Soldaten wurden gestern getötet und einer verletzt, als eine Bombe unter ihrem Panzer des Typs Merkava-3 explodierte. Moshe Peled, 20, aus Rehovot

Asher Zaguri, 21, aus Shlomi, wurden heute bereits beerdigt. Der Name des dritten Opfers, Ron Levi, 20, aus Katzrin, wurde erst vor kurzem freigegeben. Der Vorfall ereignete sich auf der Straße zwischen Netzarim und dem Übergang Karni im Gazastreifen.

Wie HA’ARETZ berichtet, sagten Militärvertreter, dass eine halbe Stunde vor der Explosion Palästinenser das Feuer auf einen zivilen Konvoi, der von Soldaten bewacht wurde, eröffneten sowie eine Bombe detonierten, die einen Bus jedoch nur leicht beschädigte. Die Armee schickte daraufhin den Panzer vor Ort, der dann in einem anscheinend zwei-phasig geplanten Anschlag explodierte. Hamas und Fatah bekannten sich zu dem Anschlag.

Die Bombe muss von ungeheurer Stärke gewesen sein und den Panzer in einem unüblichen Winkel getroffen haben, da die Panzer vom Typ Merkava-3 die fortschrittlichsten und bestgeschützten Modelle der IDF sind und für die sichersten der Welt gehalten werden.

Verteidigungsminister Binyamin Ben-Eliezer sagte gestern im Sitz der Arbeitspartei in Beit Berl, dass die Sicherheitsdienste in dieser Woche acht Selbstmordattentate verhindert hätten. Er machte dazu laut JERUSALEM POST keine weiteren Angaben. Vor einigen Tagen hatte jedoch der Chef des Inlandgeheimdienstes Shin Bet, Avi Dichter, von ihm vorliegenden Geheimdienstinformationen über neun geplante Anschläge gesprochen. Ben-Eliezer bekräftigte hier seine volle Unterstützung der jüngsten Aktionen der IDF im Gazastreifen: "diese Kinder [Soldaten] arbeiten Tag und Nacht, um uns zu schützen, unsere Wohnungen zu verteidigen und Opfer zu verhindern". Sein Kommentar wird als Reaktion auf Berichte gedeutet, nach denen nicht genannte Offiziere und Beamte aus Ben-Eliezers Umfeld den IDF-Einsatz kritisiert hätten. Als Reaktion auf den erstmaligen Abschuss von Raketen des Typs Kassam-2 am Sonntag waren Kräfte der IDF in drei Ortschaften im Gazastreifen zeitweilig eingerückt. Fünf Palästinenser kamen bei Schusswechseln ums Leben.

 

BUNDESAUSSENMINISTER FISCHER IN ISRAEL
Bei seinem gestrigen Gespräch mit dem israelischen Verteidigungsminister Binyamin Ben-Eliezer machte Joschka Fischer die gleiche doppelte Aussage wie sein britischer Amtskollege Straw am Tag zuvor: Die palästinensischen Terroranschläge müssen beendet werden, und die europäischen Friedensbemühungen müssen mit den Vereinigten Staaten koordiniert werden. Wie die JERUSALEM POST berichtet, sagte Fischer in dem Gespräch, dass er den Vorsitzenden der Palästinensischen Autonomiebehörde, Yasser Arafat, aufrufen würde: "Der Terror muss gestoppt werden".

Die Situatin sei sehr ernst, so Fischer, und weiter: "es ist wichtig, dass wir keine Trennung zwischen Europäern, den Vereinigten Staaten, den moderaten arabischen Ländern zulassen und eine gemeinsame internationale Position aufrechterhalten".

JERUSALEM POST berichtet ferner von einer Veranstaltung der Universität Tel Aviv, wo der deutsche Außenminister eine Vorlesung gehalten hatte. Fischer sprach hier von einer "Tragödie". Alle Elemente einer Friedenslösung seien auf dem Tische und schon "10 Mal, 100 Mal vielleicht sogar 1000 Mal diskutiert worden". Beiden Seiten hätte legitime Rechte, so Fischer. Sein Engagement sei ein persönliches, aber auch ein immanentes Element der deutschen Außenpolitik. "Deutschlands Unterstützung für Israel steht nicht zur Diskussion", Deutschland sei Israel verläßlichster Partner nach den USA.

Im heutigen MORGENECHO sagte der israelische Politologe und Militärexperte Shlomo Shapiro, auf die Frage, ob Fischers Besuch mehr als eine symbolische Geste sein könnte: "Viel mehr als eine Geste. Fischer ist der einzige europäische Außenminister, der den vollen Respekt von beiden Seiten, Palästinensern sowie Israelis, genießt. Das ist nicht nur eine Geste, das ist nach meiner Meinung wirklich eine Chance, wieder die beiden Seiten in eine Art von Dialog zu führen."

 

VATIKAN: MOSCHEE WÄRE "KREBS" IN DEN JÜDISCH-CHRISTLICHEN BEZIEHUNGEN

Laut HA’ARETZ warnten zwei Vertreter des Vatikans in dieser Woche davor, den Bau einer Moschee gegenüber der Verkündigungskirche in Nazareth zu erlauben. Dies könnte zu einer "tiefen Kluft" zwischen dem jüdischen Volk und den Christen führen.

Bei einer Sitzung des Regierungs-Sonderausschusses in dieser Frage betonten Erzbischoff Pietro Sambi, der päpstliche Nuntius in Israel, und der Rechtsberater des Vatikans in israelischen Angelegenheiten, Dr. David Jaeger, dass die Moschee nicht nur Israels Beziehungen zum Vatikan beeinträchtigen würde, sondern auch die des gesamten jüdischen Volkes mit der christlichen Welt. Jäger erläuterte dies gestern damit, dass Israel sich selbst als Vertreter des gesamten jüdischen Volkes definiert, und das im Grundsatzabkommen von 1993 ausdrücklich steht, dass "im Zusammenhang der Versöhnung zwischen dem jüdischen Volk und der Katholischen Kirche" unterzeichnet wurde. Dieses Abkommen umfasse das Versprechen zur gegenseitigen Respektierung der Symbole der Religon des anderen. Die Verkündigungskirche wäre das Hauptsymbol des Christentums in Nazareth und die Errichtung einer Moschee an dieser Stelle wäre demnach wie "ein Schlag ins Gesicht". Gegenüber HA’ARETZ sagte er, dass "es eine Wunde ist, die nicht geheilt werden kann ... Es wird wie ein Krebs im Körper der Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem jüdischen Volk sein".

Mit der Sitzung hat der Regierungs-Sonderausschuss die Anhörung beider Seiten beendet. Die Errichtung der Moschee war von den Regierungen Netanyahu und Barak bestätigt worden, die neue Regierung stimmte jedoch einer erneuten Prüfung zu, nach Druck aus der christlichen Welt. Eine Option wäre, die Errichtung einer Moschee an diesem Ort zu verbieten und den Moslems ein anderes Grundstück und Entschädigung in der Innenstadt Nazareths anzubieten. Ein zweite Option wäre, die Errichtung einer kleineren Moschee vor Ort zu erlauben, wie HA’ARETZ berichtet.

 

ÄGYPTEN REISST SCHUTZWAND VON RESIDENZ IN KAIRO EIN

Ägyptische Behörden beauftragten die Stadtverwaltung von Kairo damit, Teile der Mauer um das Haus vom neuernannten israelischen Botschafter Gideon Ben-Ami einzureißen, wie die JERUSALEM POST berichtete. Laut Radio Israel, KOL ISRAEL, sagten hochrangige Beamte des israelischen Außenministeriums, dass Bulldozer gestern morgen mit der Zerstörung begannen, und drückten ihre Bestürzung hierüber aus. Nach ägyptischen Quellen wäre die Mauer illegal errichtet worden.

 

INTERVIEW MIT SHARONS AUSSENPOLITISCHEM BERATER IM DLR
Im Deutschland Radio Berlin antwortete heute der außenpolitische Berater von Premierminister Sharon, Salman Shoval, auf die Frage, ob Israels Regierung der europäischen Initiative entgegenkomme, dass er nicht an die Existenz einer solchen Initiative glaube. "Ich glaube, das war nur ein Vorschlag des französischen Außenministers Vedrine. Die anderen Außenminister haben dem zugehört. Aber ich glaube nicht, dass es eine europäische gemeinschaftliche Initiative gibt."

Bezüglich des Besuchs von Außenminister Fischer bei Yasser Arafat befragt, sagte Shoval, dass dies schon "Routine" wären. Die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass die Palästinenser endlich eine "realistische und mehr Frieden wollende Führung bekomme." "Es ist in den Händen Arafats. Sollte es sich erweisen, dass Arafat nicht mehr die Kontrolle hat, dann muss man sich fragen: Warum spricht man überhaupt mit Arafat? Entweder er will es nicht, oder er kann es nicht. In beiden Fällen ist er keine kompetente Adresse mehr, um diese Fragen überhaupt zu behandeln", so Shoval.

 

* DER BEINAHE-FRIEDEN VON TABA

Bei den täglichen Schreckensmeldungen fast gänzlich in Vergessenheit geraten, sei die Tatsache, dass die beiden Konfliktparteien in Taba vor einem Jahr einem endgültigen Abkommen sehr nahe waren. HA’ARETZ widmet dem ein Dossier, in dessen Mittelpunkt der inoffizielle Bericht des EU-Sondergesandte im Nahen Osten, Botschafter Miguel Morations, steht (eng.): s. http://www.haaretzdaily.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=130193&contrassID=3&subContrassID=0&sbSubContrassID=0

[Anm.: Der ehemalige stellvertretende israelische Aussenminister Yossi Beilin dementierte zwischenzeitlich, das Israel die UN-Resolution 194 in diesem Zusammenhang akzeptiert hätte]

* KULTUR: DAS THEATER CLIPA IN BERLIN
Eine überaus erfolgreiche Europa-Tournee des CLIPA-Theaters aus Israel findet im Tränenpalast einen solchen Zuspruch, dass die geplanten Vorstellungen vom 12.-15. und vom 17.-19. Februar im Tränenpalast um 21 Uhr um eine tägliche Vorstellung um 22.30 h ergänzt wird. Mehr dazu: http://www.berlin-judentum.de/kultur/clipa-theater.htm

* GEFAEHRLICHE TOENE IM PALAESTINENSISCHEN FERNSEHEN
Im Bulletin der Palestinian Media Watch vom 13. Februar werden Auszuege aus der Sendung "Min Majalissina" ("Wohnzimmergespräche") des Palästinensischen Fernsehens vom 11.Februar 2002 gebracht. (Quelle: Nahostfocus). S. http://www.nahostfocus.de/artikel.php?id=134

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Für weitere aktuelle Informationen aus Israel empfehlen wir Ihnen folgende Webseiten:

- Medienspiegel der Deutschen Botschaft in Tel Aviv.

- Newsletter des israelischen Außenministeriums (Sie haben die Möglichkeit, die Bereiche auszuwählen, zu denen Sie informiert werden möchten).

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Dieser Newsletter mit Mitteilungen israelischer Ministerien und Meldungen aus der israelischen Presse wird von der Botschaft des Staates Israel in Berlin/Abteilung Öffentlichkeitsarbeit zusammengestellt. Anmerkungen oder Fragen richten Sie bitte an: botschaft@israel.de.